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19. February 2020
Alcmaria Nix Victrix oder Das A bis Z von Holland

Die Stadt von A bis Z

Zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte hat es der LASK geschafft, im Frühjahr im Europacup vertreten zu sein. Diese historische Leistung wird mit einem weiteren Trip nach Holland belohnt. Nach dem PSV Eindhoven wartet als nächster niederländischer Gegner AZ. AZ ist die Abkürzung für Alkmaar Zaanstreek, die Bezeichnung AZ Alkmaar ist also ebenso eine Verdoppelung wie es für uns LASK Linz gewesen ist.

Der Verein ist noch relativ jung und entstand 1967 aus der Fusion von Alkmaar ´54 und dem FC Zaanstreek, der selbst erst drei Jahre zuvor gegründet wurde.

Alkmaar liegt ca. 50 km nördlich von Amsterdam und ist in etwa so groß wie Klagenfurt, also halb so groß wie Linz. Trotzdem spielt die Stadt eine wichtige Rolle für die Niederländische Identität, ist sie doch nichts weniger als das Symbol des Freiheitskampfes gegen die Spanier.

1573 wurde hier eine entscheidende Schlacht gewonnen, weil die aufständischen Holländer ihre Spanischen Belagerer einfach überfluteten, indem sie die Lage unterhalb des Meeresspiegels ausnutzten – und einfach ihre Dämme zerstörten. Der Wahlspruch der Stadt lautet seither „Alcmaria Victrix“, also „Alkmaar die Siegreiche“.

Noch heute erinnert an diese Zeit eine Kanonenkugel, die in einem Gebäude stecken geblieben ist. Ein Anblick, der vielen LASKlern aus dem Linzer Süden geläufig sein dürfte: Am Fadingerplatz in Ebelsberg kann man eine Kanonenkugel aus einer Belagerung durch Napoleon in einem Gebäude stecken sehen.

Zaanstreek ist der Name des Landstriches entlang des Flusses Zaan, der von Amsterdam nordwärts Richtung Alkmaar fließt.

Der Klub von A bis Z

Die Fusion war damals also ein Versuch, die Kräfte in der Region zu bündeln. Dieser Versuch glückte vorerst nicht und AZ blieb ein Fahrstuhlklub zwischen den ersten beiden Spielklassen. Dies änderte sich als 1972 die reichen Gebrüder Molenaar begannen, ihr Geld in den Verein zu investieren.

Von nun an ging es kontinuierlich bergauf und 1981 war der Höhepunkt erreicht: AZ war Meister und spielte im Finale des UEFA Cups, musste sich allerdings Ipswich Town geschlagen geben.

1983 beendeten die Molenaars ihr Engagement und AZ verschwand wieder in der Versenkung. Ein Verschleiß von 13 Trainern in 12 Jahren und lange Jahre in der Zweitklassigkeit wecken bei uns Linzern Erinnerungen an eine Zeit, die zum Glück vorbei ist.

Erst im neuen Jahrtausend setzte wieder eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung ein und 2009 wurde der zweite Meistertitel errungen. Damals im Kader: James Holland, den also nicht nur sein Nachname mit den Niederlanden verbindet. Trainer Louis Van Gaal sagte ihm damals – bei Hollands erster Station in Europa – er sei zu alt, um zu lernen.

Acht Jahre später wechselte Holland zum LASK – einer Mannschaft, die ihrem Trainer nachsagte, bei ihm hätte sie das Fußballspielen völlig neu gelernt. Die Entwicklung seither spricht für sich und James sollte höchst motiviert sein, AZ zu zeigen, wie sehr man sich täuschen kann.

Das Team von A bis Z

Das aktuelle Team von AZ war in der Herbstsaison sehr erfolgreich und konnte an der Tabellenspitze mit Ajax Amsterdam mithalten.

Die Mannschaft ist sehr jung und besteht zu einem großen Teil aus Eigenbauspielern. Sogar der Mannschaftskapitän Teun Koopmeiners ist erst 21 Jahre alt und hat den kompletten Nachwuchs von AZ durchlaufen. Genauso wie Mittelstürmer Myron Boadou, Rechtsaußen Calvin Stengs, und der Linke Verteidiger Owen Wijndal. Dementsprechend eingespielt und hungrig kann man die Truppe erwarten. Auch Linksaußen Oussama Idrissi (Feyenoord) und Spielmacher Dani de Wit (Ajax Amsterdam) haben bei holländischen Großklubs das Kicken gelernt.

Während keiner der bisher erwähnten über 23 Jahre alt ist, sind die einzigen über 30 jährigen mit Stijn Wuytens und Ron Vlaar in der Innenverteidigung zu finden. Beide werden voraussichtlich zumindest das Hinspiel aufgrund von Verletzungen verpassen. 

Und damit sind auch schon bei der großen Schwäche von AZ: Während der erfolgreichen Phase im Herbst wurde kaum rotiert, was auf einen eher dünnen Kader hinweist, eine gut eingespielte und motivierte Stammelf in der niemand leicht ersetzbar ist. Und jetzt wo die beiden angestammten Innenverteidiger sowie ihr erster Ersatzmann Pantelis Chatzidiakos verletzt sind, ist AZ pünktlich zum Frühjahrsstart in eine Krise gerutscht, gegen NAC aus dem Cup ausgeschieden und hat in der Liga gegen den FC Twente verloren.

Sollte tatsächlich keiner der drei mehr fit werden, wird AZ wohl mit Jordy Clasie, der bisher meist nur Ersatz im zentralen Mittelfeld war, und dem Neuzugang Ramon Leeuwin antreten. Die fehlende Eingespieltheit der Abwehr könnte AZ gerade über die Mitte und bei Standards verwundbar machen.

Die weiteren Stammspieler, die wir wahrscheinlich sehen werden sind Rechtsverteidiger Jonas Svensson, Torwart Marco Bizot und Mittelfeldspieler Fredrik Midtsjö.

Fazit:

Lassen wir uns von dem eher unbekannten Namen nicht täuschen! Die Klasse von AZ ist keinesfalls zu unterschätzen. Es handelt sich dabei um top ausgebildete, junge und hungrige Spieler, die sich mit einer großen Eingespieltheit und ihrem starken Teamgeist aus der Krise schießen wollen.

Aber fürchten sollten wir uns auch nicht, dazu hat der LASK in dieser Saison schon zu oft wahr gemacht, was die meisten für unmöglich hielten. Und unmöglich ist das hier noch lange nicht. Eine große Chance liegt im derzeitigen Schwächeln der AZ-Defensive.

Gerade dem Spiel des LASK dürfte dies entgegenkommen, sollten die Linzer in Führung gehen und dann den Gegner wie gewohnt ins „offene Messer“ rennen lassen. Immerhin wurde mit Salzburg erst vergangenen Freitag ein Europa League 1/16 Finalist mit einer sehr ähnlichen taktischen Ausrichtung besiegt. Möglich ist also alles, aber leicht wird’s nicht.

Unser Team wird jeden einzelnen der mitgereisten Fans brauchen, die nach dem Chaos bei der Ticketvergabe dieses Mal viel mehr an Strapazen in Kauf genommen und Nerven gelassen haben. Umso schöner wäre es, wenn sie jetzt den Unterschied ausmachen und die Mannschaft zur nächsten Sensation peitschen können. Also: Alle mit voller Kraft nach Alkmaar und alles geben für den Sieg!

Lentia Victrix, Alcmaria Nix!

 

Mario Fellner

Christian Zeintl
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