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24. April 2014
Road to Relegation – Die Gegner: SC/ESV Parndorf

Mit Parndorf möchten wir euch heute einen der zwei möglichen Relegationsgegner aus dem Burgenland näher vorstellen. Die Elf von Trainer Paul Hafner (oder zumindest der Klub) ist relegationserfahren, verbindet aber überwiegend Negativerlebnisse mit diesem oft kritisierten K.O.-Duell um Auf- und Abstieg. Dem letztjährigen Erfolg gegen unsere Lieblingsfreunde aus dem Donaupark gingen gleich drei Schlappen voraus, wobei die Vienna (5:1 gesamt) und der WAC (4:2) relativ wenig Mühe hatten, während Gratkorn 2004 nur aufgrund der Auswärtstorregel die Oberhand behalten konnte.

Die Saisonbilanz

Den bisherigen Saisonverlauf des Klubs aus der 4000-Seelen-Gemeinde im Bezirk Neusiedl, deren Bekanntheitsgrad wohl fast zur Gänze dem Designer Outlet geschuldet ist, könnte man wohl am ehesten als durchwachsen bezeichnen. Abgesehen von zwei kleineren Serien gegen Ende der Herbst- mit vier beziehungsweise zu Beginn der Frühjahrsmeisterschaft mit drei Spielen ohne Niederlage schaffte man es nie, konstant anzuschreiben. Wichtigen Siegen wie dem 1:0 in Salzburg beim FC Liefering stehen unter anderem gleich zwei Niederlagen gegen die Vienna gegenüber. Vor allem in der Hinrunde war man stets ein gern gesehener Gast und schaffte es tatsächlich, nur einen einzigen Zähler in der Fremde zu erkämpfen. Die drei Auswärtssiege der Rückrunde ändern nichts daran, dass man den letzten Platz der Away-Tabelle in der verbleibenden zwei Spielen wohl kaum mehr verlassen wird, zumal noch der schwere Gang nach Altach auf dem Programm steht. Zwei Drittel der Punkte wurden also vor heimischer Kulisse im Heidebodenstadion eingefahren, was in dieser Statistik einen wenig ruhmreichen aber grundsoliden siebten Platz ergibt. Gesamt findet man sich damit in der Zwischenabrechnung auf dem neunten und vorletzten Rang, dem Relegationsplatz wieder. 

Im Spiel gegen SKN St. Pölten haben wir für euch beobachtet, worauf wir uns im Falle eines Duells einstellen müssen.

Die Kaderanalyse

Der Kader der Burgenländer scheint auf zwei Positionen – der des Torhüters und im Angriff – mehr als brauchbar. Im Kasten findet sich im Moment ein für LASK-Fans alter Bekannter. Bartolomej Kuru rutschte durch eine Verletzung von Stammkeeper Udo Siebenhandl für manche etwas überraschend in die erste Elf, zeigte dort aber seither gute Leistungen und darf sich vorerst trotz der Genesung des namhafteren Konkurrenten weiter beweisen. Am vergangenen Dienstag musste er zwar gleich fünf mal das Leder aus dem Netz fischen, war aber weitgehend chancenlos weil von der Abwehr teils gänzlich alleine gelassen. Bei einem Freistoß von Andi Dober, den er mit einem starken Reflex an den Pfosten lenkte, ließ er sein Können zumindest aufblitzen.

Die größte Baustelle stellt wie schon angedeutet wohl die Defensive dar. Einem ungestümen Elfmeterfoul (wenngleich das Vergehen streng genommen außerhalb des Strafraums passiert ist) folgten zwei Tore durch die Mitte, wo man zu weit weg vom Mann stand und mit dem flachen Kombinationsspiel der Gastgeber einfach nicht umzugehen wusste. Zuordnung: Fehlanzeige. Das vierte Tor resultierte aus einem schnellen Konter, wohl ein probates Mittel gegen die Hafner-Elf, da das Umschaltspiel von Offensive auf Defensive oft nur sehr schleppend funktionierte und kurzfristig viele Räume eröffnet. Dass Lukas Kragl hierbei wohl einen Schritt im abseits war, ändert an dieser Tatsache nichts. Auch bei hohen Bällen wirkte der Abwehrverbund nicht sattelfest, wodurch nicht nur eine hochkarätige Torchance durch Andreas Dober sondern auch das entscheidende 5:4 in der Nachspielzeit resultierte. Kapitän Kummerer machte in der Innenverteidigung noch den solideren Eindruck, putzte einige Male aus, sah vor allem beim 2:1 allerdings auch richtig schlecht aus. Die Außenverteidiger zeichneten sich bei weiten Bällen durch gutes Stellungsspiel aus, mussten allerdings bei schnellem Kombinationsspiel aber auch Dribblings meist hilflos zusehen.

Das Mittelfeld zeigte sich ebenso wie die Abwehr fehleranfällig bei aggressivem Pressing des Gegners und spielte in Bedrängnis ausnahmslos hohe Bälle in die Spitze, wo – worauf wir später näher eingehen werden – allerdings auch ein dankbarer Abnehmer wartete. Offensiv versuchte man es gerne einmal mit Distanzschüssen, wobei vor allem ein Versuch von Ex-LASKler Sebastian Wimmer brandgefährlich wurde und die Querlatte streifte. Die wahren Qualitäten zeigten sich erst gegen Ende der Partie, als St. Pölten mit dem 4:2 im Rücken nur noch darauf bedacht war, den Vorsprung über die Zeit zu retten und den Parndorfern somit Zeit und Raum gaben, um selbst offensiv Akzente zu setzen. Die letzten zwanzig Minuten waren mit Abstand die stärksten der Last-Minute-Kaiser, die aufgrund der Häufung später Treffer das Einklatschen einer Parndorf-Viertelstunde in Erwägung ziehen könnten. Auch ein Indiz dafür, dass es nicht an körperlicher Fitness mangelt, zumal man zuvor schon versucht hat, aggressiv und laufstark gegen den Ball zu arbeiten, wenn auch mit überschaubarem Erfolg. Die ballsicheren St. Pöltner – von der Spielstärke wohl in einem ähnlichen Leistungsbereich wie unsere Schwarz-Weißen anzusiedeln – schafften es scheinbar mühelos, sich durch sicheres Passspiel auch in kritischen Situationen zu befreien. Ein Umstand, der uns Mut machen sollte. Die Angriffe werden zumeist über die Flanken aufgezogen, was zu einer Vielzahl von Standardsituationen führt, die sowohl was Ecken als auch Einwürfe von rechts – Jusits befördert den Ball hierbei bis an den Fünfmeterraum – angeht, zuweilen für Gefahr sorgen.

Im Angriff sticht vor allem Thomas Horvath aufgrund seiner 2,02 Meter Körpergröße hervor. Vom Spielstil an Stefan Maierhofer erinnernd zeigt er eine enorme Laufbereitschaft bei Ballbesitz des Gegners, versucht früh zu stören und die Abwehr so in Bedrängnis zu bringen. Bei weiten Bällen aus der Abwehr, Abstößen und Befreiungsschlägen setzt er seine Größe gut ein und verlängert mitunter gut auf die schnellen Außenspieler. Dass er diesen Vorteil auch vor dem Tor nützen kann, zeigte er beim Anschlusstreffer zum 4:3, wo er eine Maßflanke von rechts aus kurzer Distanz über die Linie drückte. Das könnte für unsere Innenverteidigung eine harte Aufgabe werden. Sturmpartner Marjan Markic, bester Torschütze in der laufenden Saison, holt sich die Bälle hingegen oft aus dem Mittelfeld, ist technisch beschlagen und sucht immer wieder über links Eins-gegen-Eins-Situationen, die er nicht selten für sich entscheidet. Dass er zudem weiß, wo das Tor steht, hat er bereits mehrfach bewiesen. Ein weiterer hochkarätiger Angreifer wartet mit Julian Salamon, der oftmals nur als Joker in die Partie kommt, diese Spielzeit allerdings auch schon sechsmal ins Schwarze treffen konnte. Im Spiel gegen St. Pölten dauerte es keine zwanzig Sekunden, bis er nach seiner Einwechslung den Ball in die Maschen bugsierte.

Das Fazit

Alles in allem kann man Parndorf als eine kampfstarke, spielerisch jedoch etwas limitierte Truppe bezeichnen, die man über 90 Minuten in der Defensive beschäftigen muss, um auf der sicheren Seite zu sein. Es gilt vor allem, den Hünen Horvath in Schach zu halten, was ein Fall für Mario „Air” Hieblinger werden könnte. Außerdem sollten Flanken tunlichst unterbunden werden. Bei konsequentem Angriffspressing fehlt den Burgenländern die nötige Ruhe, was zu unkontrollierten Befreiungsschlägen sowie Fehlpässen führt. Wenn man sich hingegen zu weit zurückzieht, kann man Parndorf richtig stark machen, trotz gestaffelter Defensivreihen schaffte es St. Pölten nicht, die zwei Gegentore zu verhindern. Mit zwei konzentrierten Vorstellungen und etwas Glück im Abschluss darf Parndorf im Normalfall kein Stolperstein werden.

Paul LItzlbauer

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