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12. November 2016
Lockere Sprüche und starke Werte

Ein Gespräch mit dem Trainer der U-13 Roland Neunherz
       
Hallo, Roland! Wir haben uns ja schon mal vor geraumer Zeit zu einem Gespräch getroffen (hier nachzulesen), aber kannst du dich bitte erneut mit ein paar Grunddaten von dir vorstellen?
Roland Neunherz:                                    
Mein Name ist Roland Neunherz. Ich bin 31 Jahre alt, vergeben und habe zwei Töchter im Alter von acht Jahren und 15 Monaten.

Selbiges bitte mit der Spieler- und Trainerkarriere im Fußball!
Roland Neunherz:                                    
Als junger Spieler gehörte ich dem Bundesnachwuchszentrum (BNZ) LASK Linz an. Etwas später war ich im Kader der damaligen Regionalliga-Mannschaft Donau Linz und hatte auch einige Einsätze. Nach dem Abstieg spielte ich für Donau auch in der Oberösterreich-Liga. Es folgten noch Vereine aller möglichen Ligen in Oberösterreich. Ich glaube, ich habe in jeder Leistungsstufe von der dritten bis zur achten Liga einmal gespielt.
Als Trainer im Nachwuchsbereich war ich zunächst bei der Spielgemeinschaft ASKÖ Ebelsberg / Donau Linz tätig, dann bei Donau Linz, von dort ging es zum damaligen Bundesligaklub Superfund Pasching, noch einmal retour zu Donau und seit etwa drei Jahren bin ich beim LASK bzw. der Spielgemeinschaft LASK / Pasching. Einmal ging es auch innerhalb der SPG weg vom Nachwuchs. Ich war bei Mario Hieblinger Co-Trainer bei den Pasching Juniors in der Bezirksliga, die es ja jetzt nicht mehr gibt.

Du wirkst und erzählst wie ein Trainer aus Leidenschaft. Wolltest du schon früh Trainer werden?

Roland Neunherz:                                   
Ja. Ich habe schon als Spieler oft wie ein Trainer gedacht. Ich wollte immer mehr wissen, hinter die Kulissen schauen. Warum machen wir das? Wozu dient diese Übung? Gäbe es Alternativen? Solche Gedanken hatte ich schon als achtzehnjähriger Spieler


Und wenn du den Spieler Neunherz mit dem Trainer Neunherz vergleichst …

Roland Neunherz:                                    
Dann fällt der Vergleich zu Ungunsten des Spielers Neunherz aus. Der Trainer Neunherz wäre oft unzufrieden mit dem Spieler Neunherz. Der spielte zwar gerne und ganz passabel Fußball, er war aber eher ein fauler Hund. Als Trainer bin ich definitiv strenger. Aber so etwas sagt man ja vielen – auch großen – Trainern nach. Bestes Beispiel ist da wohl Ernst Happel.

Strenge ist ein Teil deiner Trainer-Persönlichkeit. Wie sehen die anderen Teile aus?
Roland Neunherz:                                    
Ich glaube, dass ich das Strenge mit Gerechtigkeit und Offenheit verbinde. Wenn ich einen Spieler nicht aufstelle oder ihn austausche, dann erkläre ich ihm das auch. Er soll meine Beweggründe kennen und er soll – wenn das ein Grund war – wissen, wo und wie er sich verbessern kann. Ich verlange Respekt, bin aber auch respektvoll den Spielern gegenüber. Respekt, Teamgeist und Freude am Spiel sind wichtige Werte, die ich den Jungs für den Sport ebenso wie für das Leben mitgeben möchte. Und ich möchte ausstrahlen und vermitteln, dass jeder zu jeder Zeit zu mir kommen kann, wenn wo der Schuh drückt. Aber ich bin ja nicht nur der Strenge oder der Werte-Vermittler. Ich bin ja auch bekannt dafür, dass ich immer wieder einmal einen lockeren Spruch auf der Zunge habe. Ich glaube, den Burschen gefällt das im Großen und Ganzen.

Wie wichtig ist Leistung für dich?
Roland Neunherz:                                    
Das ist für einen Nachwuchstrainer beim LASK keine leichte Frage. Natürlich geht es immer irgendwie um Leistung, mehr als bei anderen, „kleineren“ Vereinen. Wir Trainer wollen den Burschen ja helfen auf ihrem Weg als Fußballer aber auch hinein ins Leben. Trotz der notwendigen Leistungsanforderungen auch schon an die Kinder ist es mir wichtig, immer den Menschen dahinter zu sehen. Warum kann ein Spieler heute keine gute Leistung bringen? Warum ist er in einem Tief? Da kann so viel sein: Probleme zu Hause oder in der Schule oder körperliche beim Wachstum. Die Ergebnisse – etwa auch der aktuelle Meistertitel – sind zweitrangig. Wir wollen den Teamgedanken stärken, die Jungs weiter entwickeln, sie auf neue Aufgaben vorbereiten usw.

Leistung müssen die Kinder auch in der Schule bringen. Interessieren Dich die Noten aus der Schule?
Roland Neunherz:                                    
Absolut. Ich lass mir auch die Zeugnisse zeigen, ich lobe und frage nach. Und selbstverständlich kann man vor einer Schularbeit auch einmal dem Training fernbleiben – wenn wir Trainer rechtzeitig informiert werden.

Du erbringst ja auch zahlreiche Leistungen für den LASK. Du stehst dafür aber auch viel am Platz und kannst in dieser Zeit nicht zu Hause bei der Familie sein. Ein Problem?
Roland Neunherz:                                    
Ich weiß um diese Schwierigkeit. Aber ich habe zum Glück eine Frau, die dafür Verständnis hat, wenngleich sie nicht immer glücklich damit ist. Aber ihr Verständnis tut gut. Ich bin ja doch etwa vier- bis fünf Mal in der Woche am Platz.

Spielte der Fußball immer schon eine so große Rolle in deinem Leben?
Roland Neunherz:                                    
Ja, definitiv. Seit ich fünf oder sechs Jahre alt bin ist der Fußball sehr, sehr wichtig. Er war immer mein größtes Hobby. Mein Bruder übrigens spielte auch im BNZ LASK und jetzt spielt auch meine ältere Tochter Fußball – bei Westbahn Linz.

Da wirst du ihr ja viele Tipps geben können …
Roland Neunherz:                                    
Ganz im Gegenteil. Ich gebe ihr überhaupt keine Tipps oder fachliche Rückmeldungen, nicht einmal wenn sie danach fragt. Da schaue ich zu, da bin ich Papa, aber das Fußballerische soll sie sich mit ihrem Trainer ausmachen.

Zurück zur aktuellen U-13. Mit welcher Spielphilosophie gehst du an die Aufgaben heran?
Roland Neunherz:                                    
Ich glaube, Esed (hier nachzulesen) hat dir schon so manches davon erzählt. Wir sind uns da einig. Die Vorgaben eines 4 – 4- 2 – Systems lernen, Gegenpressing, auf die zweiten Bälle gehen usw. Mich freut auch ganz besonders, dass wir in zehn Spielen und bei 67 erzielten Treffern 14 verschiedene Torschützen haben!
Im Training ist bei mir eigentlich immer der Ball dabei. Es heißt ja Fußball – und es gibt so viele Übungen, die verschiedenen Zwecken dienen (Kondition, Koordination), die man trotzdem mit Ball machen kann.

Das dürfte ja alles gut gelungen sein bei diesem Ergebnis am Saisonende…
Roland Neunherz:                                   
Der Meistertitel an sich ist mir nicht so wichtig, aber das Wie ist schon bedeutender. Wir sind am Ersten Platz, sind sehr souverän aufgetreten und haben – glaube ich – den LASK gut vertreten in diesem Halbjahr.

Ja, mir ist allein heute einiges aufgefallen. Du hast mit dem Babenberg-Torhüter, der enttäuscht über ein Gegentor und über seine Auswechslung war, als er an dir vorüberging, abgeklatscht und ihn getröstet. Ihr habt den eigenen Torhüter einige Minuten am Feld spielen lassen, davor aber den gegnerischen Trainer und den Schiedsrichter quasi um ihr Einverständnis gefragt, damit es nicht überheblich wirkt. Bei Toren sind die Jungs öfters zur Ersatz- und Trainerbank zum Jubeln gelaufen und bei Auswechslungen hat man einander applaudiert. Bei der kleinen Meisterfeier nach dem Spiel gab es viele stolze Linzer ASK-Gesänge. Ich habe gestaunt und mich gefreut darüber. Ich glaube, das alles tut dem Image unseres LASK sehr gut.
Roland Neunherz:                                    
Uns freut, dass dir das aufgefallen ist. Ja, das war tatsächlich eines unserer Ziele. Wir haben gesagt, wir wollen mit unserem Auftreten das Image unseres Klubs verbessern, aufpolieren, stützen, stärken – wie immer man es nennen mag. Die Gegner sollen sagen können, der LASK (Trainer, Spieler, Eltern) war ein netter, respektvoller Gast, die eigenen Spieler sollen- ohne Überheblichkeit – stolz sein, das LASK-Trikot zu tragen. Wir wollen vermitteln, dass es ein Privileg ist, beim LASK zu spielen. Das ist aber auch mit gewissen wichtigen Regeln und Werten verbunden.

In den letzten Tagen kehrte die Nachwuchs-Akademie zu einem hohen Prozentsatz zurück in den Schoß des LASK? Die richtige Entwicklung?
Roland Neunherz:                                    
Ganz sicher. Das halte ich für ganz wunderbar. Die besten Spieler von Linz und Umgebung müssen zum besten Klub der Stadt und Umgebung und der braucht den Zugriff. Hervorragend ist, dass Organisation und Sport beim LASK sind. Aus meiner Sicht ist es aber auch wichtig, dass es beim Verein weiter eine U-14, U-16 und U-18 geben wird wie das jetzt der Fall ist. Es gibt immer auch Umwege und zweite Chancen für den Aufstieg eines jungen Fußballers.

A propos Aufstieg. Wie wichtig wäre ein Aufstieg der Kampfmannschaft in die Bundesliga für den Nachwuchs?
Roland Neunherz:                                     ‘
Ich glaube, sehr wichtig. Die ganze Stimmung im Klub, die Freude, das Image und vieles mehr … das würde sich auch auf uns positiv auswirken. Natürlich gilt auch das Umgekehrte… ich wünsche es mir also sehr.
       
Das Trainerteam im Nachwuchs der SPG ist stetig gewachsen. Habt ihr Kontakt untereinander?
Roland Neunherz:                                    
J
a, definitiv. Ich vor allem mit jenen, die die schon etwas älteren Burschen trainieren. Aber unser Verhältnis ist allgemein sehr gut. Auch digital sind wir vernetzt. Wir können die Trainingsübungen der Kollegen einsehen, darüber kommunizieren, voneinander lernen … so wie es eben sein sollte. Auch zu unserem NW-Koordinator Oliver Ablinger können wir jederzeit kommen. Er ist unheimlich engagiert und es geht sehr viel weiter unter seiner Regie. Und trotzdem lässt er uns angenehm viel freie Hand.

Abschließend noch die Frage nach deinen persönlichen Zielen im Fußball …
Roland Neunherz:                                    
2017 beginne ich mit der Trainerausbildung. Ich bin ja der einzige ohne einer solchen. Bisher stand ich ja eher auf dem Standpunkt, Qualität muss sich am Platz und nicht am Papier zeigen … (lächelt) … aber jetzt gehe ich es an. Es ist dem Verein wichtig und dann will ich das auch tun. Ich möchte ja selbst auch einmal eine Kampfmannschaft trainieren. Das wird wahrscheinlich nicht der LASK sein – so realistisch bin ich schon – aber so sehr ich derzeit mit Leib und Seele Nachwuchs-Trainer bin, eine Kampfmannschaft zu trainieren ist definitiv ein Ziel. Noch aber bin ich glücklich hier und freue mich zum Beispiel ganz konkret auf die gemeinsame Saisonabschlussfeier mit Eltern und Kindern und meinem Trainerkollegen und Freund Esed heute Abend

Da wünsche ich Dir und Euch heute einen vergnüglichen, erholsamen Abend und bedanke mich sehr für das ungemein ausführliche Gespräch.
Roland Neunherz:                                    
Bitte, sehr gerne. ich danke für Euer Interesse von Seiten seit1908.at!

 

Waldhör Günther