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13. April 2015
Wenn fehlende Gedanken das Denken verbieten

Seit Samstag früh überkommt mich ein äußerst unangenehmer Würgereiz, jedes Mal dann, wenn ich Facebook öffne.
Was hier manche „Fans” so von sich geben, ist nicht nur traurig sondern vor allem beschämend. Da wird nicht analysiert, da wird Schuld zugewiesen. Da wird nicht diskutiert, da werden platte Stammtischparolen hingeworfen und verbreitet.

Schaut man sich die Profile dieser Fußballexperten genauer an, erkennt man bei einigen besonders fleißigen Postern auch recht schnell woher der Wind weht. Sie sind oftmals Freunde einfacher und leicht wiederzukäuender Lösungen für alles: „Schuld sind die Fremden und die da oben!”
Und hey, wenn dieser einfach zu merkende Standardsatz schon im richtigen Leben hilft, dann muss man damit doch auch den Frust erklären können, den der LASK derzeit bei Vielen auslöst! Also lautet das einfache Rezept zur Frustbewältigung: „Die Fremden und die da oben sind schuld, dass es beim LASK nicht rund läuft! Also Martin Hiden sowie Jürgen Werner & Manfred Schill!”
Der Eine kommt aus dem fernen Pasching, die anderen Zwei kommen zwar aus Linz, können aber schon allein auf Grund der Tatsache, dass sie vor über 25 Jahren einmal beim Lokalrivalen Fußball gespielt haben, als fremd & böse bezeichnet werden… und sie sitzen ja „da oben”.

Garniert wird das Ganze dann noch mit philosophischen Glanzlichtern wie „Die Gedanken sind frei!”… und dann würgt es mich schon wieder! Leute, in „Gedanken” steckt auch ein bisserl „denken”! Bemüht euch, nehmt euch Zeit, sammelt euch und lasst die letzten zwei Jahre mal Revue passieren, versucht das am besten nüchtern und mit klarem Kopf…Aber ich möchte euch an dieser Stelle warnen: Denken kann einiges verändern! Denken kann engstirnige Weltbilder zerstören! Macht es also nur, wenn ihr auch bereit seid, euren Horizont zu erweitern!

Auch ich bin der Meinung: Jürgen Werner & Manfred Schill sind schuld!

Schuld daran, dass wir heute auf Rang 3 der SKY GO Erste Liga stehen! Schuld daran, dass im Jänner 2014 das Flutlicht beim LASK nicht für immer ausgegangen ist… denn beide waren und sind zwei entscheidende Architekten der Übernahme durch die FDL! Sie sind auch schuld daran, dass der LASK mittlerweile unter modernsten Bedingungen trainieren kann, anstatt – so wie früher – zwischen Zöhrdorf, der ABC-Anlage und dem Trainingsplatz der SHS-Kleinmünchen hin und her pendeln zu müssen.
Man kann ihnen auch die Schuld daran geben, dass der LASK – als einziger Verein im österreichischen Profifußball – zwei Wintertrainingslager unter perfekten Bedingungen absolviert hat. Und natürlich sind sie auch schuld daran, dass jene Spieler, die es nicht in den Kader der ersten Mannschaft schaffen, seit der laufenden Saison Spielpraxis in der Regionalliga Mitte sammeln können.

Die Hauptschuld trifft eindeutig Martin Hiden

Er ist dafür verantwortlich, dass wir im vergangenen Herbst nur zwei wirklich gute Spiele gesehen haben (zu Hause gegen Lustenau und Liefering) und wir ansonsten – abgesehen von guten letzten 15 Minuten gegen den FAC und Innsbruck – fußballerische Schonkost serviert bekamen. Er ist auch schuld daran, dass es nie einen echten Kampf ums Leiberl gab, immer die gleiche Elf auflief und sogar die Wechsel absolut vorhersehbar waren. Vor allem aber ist Martin Hiden schuld daran, dass wir alle uns vom Blick auf die Tabelle haben blenden lassen… dass wir alle nicht hinterfragt haben, mit welch (unter)durchschnittlichen Leistungen und mit wie viel Glück wird den Platz an der Sonne erobert haben. (Als kleine Rechenhilfe: Hätte der LASK die beiden Herbstspiele gegen Mattersburg verloren – was durchaus verdient gewesen wäre – hätte man nicht einen Punkt Vorsprung, sondern 11 Punkte Rückstand gehabt!)

Und dann ist der neue Trainer natürlich auch noch Schuld daran, dass dem LASK in drei von vier Spielen unter seinem Kommando insgesamt fünf Elfmeter vorenthalten wurden (zwei gegen Horn, einer gegen Liefering und nochmal zwei gegen den FAC) – bekommt der LASK die zugesprochen, schlägt man Horn und den FAC und punktet zumindest in Liefering. Es gäbe natürlich noch mehr zu schreiben, aber ich denke das reicht schon aus, um zu zeigen wie lächerlich diese schnell und einfach gestrickten Schuldzuweisungen sind!

Ich will nicht sagen, dass alles eitel Wonne wäre, natürlich wurden Fehler gemacht! Aber im Nachhinein ist man halt auch immer gescheiter und das gilt bestimmt auch für unsere sportliche Leitung, also für die Herren Werner und Schill.

  • Wäre der Trainerwechsel gleich nach der Herbstsaison vollzogen worden, hätte man die ganze Vorbereitung dazu nutzen können, an einem modernen Pressing-System zu arbeiten (gegen den FAC hat das die ersten 20 Minuten der beiden Halbzeiten schon richtig gut ausgesehen).
  • Ein neuer Trainer (egal wer das gewesen wäre) hätte einen Markus Blutsch wohl auf jeden Fall im Kader behalten.
  • Natürlich kann man sich auch die Frage stellen, ob jede Neuverpflichtung richtig und notwendig war. Vor allem auch, ob es gescheit war, Spieler zu holen, die schon ganz genau wissen, dass sie im Sommer wieder weg sein werden.

Diese Aspekte sollten analysiert und aufgearbeitet werden. Nicht um Schuldige fest zu machen, sondern um daraus zu lernen, die richtigen Schlüsse zu ziehen und es in Zukunft besser zu machen!

Und was Martin Hiden betrifft: Schaut euch doch öfter mal ein Training an und redet mit Spielern. Es hat sich einiges geändert, was die Trainingsmethoden angeht, was die Intensität betrifft. Es wird auch mehr kommuniziert und das nicht nur mit der Stammelf. Wenn man sich die Spiele angesehen hat, war das – trotz der kurzen Zeit – auch schon phasenweise erkennbar.
Tja, und dann denkt noch mal kurz an die nicht gegebenen Elfer und deren Auswirkungen: 6 Punkte mehr am Konto aus den letzten 4 Spielen -> nur ein Punkt Rückstand auf Mattersburg -> Martin Hiden wäre euer großer, neuer Held! Aber so ist das nun mal im Fußball.

Ich versteh auch den Unmut, die Emotionen und daraus resultierend, den einen oder anderen Sager im Stadion. Was ich aber nicht verstehe, ist der Shitstorm, der sich auf Facebook ausbreitet, denn das hat nichts mehr mit Emotionen zu tun! Es würde nämlich ganz leicht gehen, zuerst mal nachzudenken und dann erst den „Posten-Button” zu drücken. Ihr müsst es nur mal versuchen!

Der Autor möchte anonym bleiben

Seit1908
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